Donnerstag, 27. Februar 2014

Nur zu Besuch



Immer wenn ich dich besuch
Fühl ich mich grenzenlos
Alles andre ist von hier aus so weit weg
Ich mag die Ruhe hier
Zwischen all den Bäumen
Als ob es den Frieden auf Erden wirklich gibt
Es ist ein schöner Weg
Der unauffällig zu dir führt
Ja ich hab ihn gern
Weil er so hell und freundlich wirkt
Ich habe Blumen mit
Weiß nicht ob du sie magst
Damals hättest du dich wahrscheinlich sehr gefreut
Wenn sie dir nicht gefallen
Stör dich nicht weiter dran
Sie werden bestimmt bald wieder weg geräumt
Wie es mir geht
Die Frage stellst du jedes Mal
Ich bin okay
Will nicht dass du dir Sorgen machst
Und so red ich mit dir wie immer
So als ob es wie früher wär
So als hätten wir jede Menge Zeit
Ich spür doch ganz nah hier bei mir
Kann deine Stimme im Wind hör'n
Und wenn es regnet weiß ich dass du manchmal weinst
Bis die Sonne scheint
Bis sie wieder scheint
Ich soll dich grüßen
Von den andern
Sie denken alle noch ganz oft an dich
Und dein Garten
Es geht ihm wirklich gut
Obwohl man merkt dass du ihm doch sehr fehlst
Und es kommt immer noch Post ganz fett adressiert an dich
Obwohl doch jeder weiß
Dass du weggezogen bist
Und so red ich mit dir wie immer
Und ich verspreche dir
Wir haben irgendwann wieder jede Menge Zeit
Dann werden wir uns wieder seh'n
Du kannst dich ja kümmern wenn du willst
Dass die Sonne an diesem Tag auch auf mein Grab scheint
Dass die Sonne scheint
Dass sie wieder scheint

Mittwoch, 26. Februar 2014

Ertrinken und Verblassen


Langsam
ganz langsam
ertrinkt das wunderbare Geschöpf
an ihrer Schönheit.
In ihren Adern welche gefüllt sind
von Hochmut
Stolz
Unverletzbarkeit
und Arroganz
wird bald kein Blut mehr fließen.
Sie wird verblassen
ein Nichts werden
und niemand wird sich mehr
an dieses wunderbar
perfekte 
fehlerfreie
aber zu sehr sich selbst liebende
Wesen 
erinnern.

Herzenswunsch

Die Schreie in ihrem Kopf werden lauter
immer und immer lauter
es hämmert gegen ihre Schädeldecke 
sie hat das Gefühl langsam zu zerbrechen
zerbrechen in hunderttausend kleine Splitter 
Spiegelsplitter,
die die Verwirrtheit und Zerstörung ihrer Seele widerspiegeln.
Die Stimmen verteilen sich im ganzen Körper
fließen in den Adern
erreichen jeden Teil von ihr.
Lassen sie erfrieren,
lassen das Blut stocken,
nichts bewegt sich mehr,
alles ruhig,
alles leise,
alles tot,
und gleichzeitig so unendlich laut,
innerlich laut,
unaushaltbar laut.

Der Druck in der Brust möchte nicht nach lassen,
nein,
er möchte sie zerstören,
möchte zu schauen wie ihr Körper wie ein Luftballon zerplatzt.
Möchte die Explosion hören,
sie fühlen,
fühlen,
wie alles zerspringt.

Die Seile um ihren Körper erdrücken sie
ziehen sich immer weiter zusammen
sodass sie nach Luft röcheln muss,
weil ihr kein Platz zum Atmen bleibt,
sodass jeder Zug nach Sauerstoff weh tut,
und sie einfach aufhören möchte,
zu atmen.

Ruhig.
Still.
Leise.
Das soll es sein,
ohne Schreie,
ohne Seile,
ohne Druck.

Endlose Stille - ihr Herzenswunsch.

Mittwoch, 19. Februar 2014

Hier lachen die Menschen nicht

Mein Opa hat mir heute, wie so oft, eine Geschichte erzählt, aber diese fand ich sehr besonders und sie beinhaltet so viel Wahrheit.

Als mein Opa jünger war, arbeitete er bei Daimler. Dort hatte er einen ungarischen Kollegen, dessen Mutter noch in Ungarn lebte.
Eines Tages überlegten sie sich die Mutter einzuladen. Dankend nahm sie die Einladung an und wohnte für einige Wochen in Deutschland.
Mein Opa zeigte ihr unsere großen Städte, unsere Supermärkte in denen die Regale von oben bis unten mit Lebensmitteln gefüllt waren.
Die Mutter des ungarischen Kollegen war beeindruckt. In Ungarn hatten sie diese vollen Regale nicht. Auch unsere Modernität gefiel ihr, auch diese war sie nicht gewohnt.
Mein Opa und sein Kollege überlegten sich die ungarische Mutter zu fragen, ob sie nicht hier, bei ihnen in Deutschland bleiben mag. Doch die Mutter lehnte ab.
Mein Opa war verwirrt, sagte, warum denn nicht? Sagten Sie nicht in Deutschland sei alles besser?
Aber die Frau verneinte. Hier lachen die Menschen nicht, sagte sie.

Dienstag, 18. Februar 2014

Herzbluten

Immer wieder überschwemmen mich diese Gefühle wie riesige Flutwellen.
Immer wieder entsteht ein Druck in meiner Brust, der meinen Körper zu zersprengen droht.
Immer wieder bin ich machtlos, weil meine Gedanken Besitz von mir ergreifen und mich nicht mehr los zu lassen wagen.
Immer wieder, wenn ich mit ihm im Bett liege, wenn ich seine Stimme höre, wenn ich sein Gesicht sehe, übermannt mich eine fürchterliche Angst, eine Angst, der ich nicht gewachsen bin. In meinem Kopf schreien die Gedanken und sie prallen gegen meine Schädeldecke, springen hin und her und erinnern mich mit jedem Atemzug an diese unüberwindbare Angst.

Die Angst ihn zu verlieren ist allgegenwärtig. Die Angst, dass er eines Tages weg sein würde, weg von dieser Welt, irgendwo im nirgendwo landen würde, ohne jemanden, ganz allein, verlassen.
Die Angst, dass mir jemand die Menschen, die ich zu lieben gelernt habe, entreißt, ohne, dass ich eine Chance habe etwas dagegen zu tun, ohne dass ich eine Möglichkeit habe die Mauern, hinter denen sie sich befinden, zu überwinden, um wieder bei ihnen sein zu können.
Zu der Angst die mich anschreit, kommen die Gedanken, die mir Vorwürfe machen, die unausgesprochene, geheime und unverständliche Stimme, die mir sagt, dass alles vielleicht mit mir zu tun hat. Die Stimme, die mir den Grund für das Verschwinden von Menschen gibt, ohne einen verständlichen Grund zu nennen. Die Stimme, die mir einredet, allein mit meiner Anwesenheit, mit meiner Beziehung zu Menschen, schreckliche Dinge anzurichten.

Immer wieder diese Gedanken.
Immer wieder diese Gefühle.
Immer wieder diese Verrücktheit.
Immer wieder Angst.

Samstag, 15. Februar 2014

All Apologies (3rd)

Tut mir leid,
wirklich,
versprach dir es zu lassen,
versprach dir es wenigstens zu versuchen,
versprach dir andere Lösungen zu finden,
aber es ist so schwer,
so unglaublich schwer und anstrengend,
also warum nicht einfach
die einfache Lösung nehmen?
Warum unnötig kompliziert machen?
Es tut mir leid,
aber ich kann's nicht.
Es tut mir leid,
dass ich dich enttäusche.
Es tut mir leid,
dass ich so lächerlich bin,
wie ich das hier schreibe,
wie ich mich verhalte.

Bitte,
verzeih mir.

Donnerstag, 13. Februar 2014

Angst

Angst Angst zu haben
Angst keine Angst zu haben
Angst krank zu sein
Angst nicht krank zu sein
Angst Aufmerksamkeit zu wollen
Angst vor den Gründen
Angst vor meinen Gedanken
Angst vor dem Wirrwarr in meinem Kopf
Angst den Knoten nicht lösen zu können
Angst dass der Knoten sich löst
Angst vor dem Druck in der Brust, der sich weiter ausbreitet
Angst vor dem was die andern denken
Angst darüber zu sprechen
Angst vor Lächerlichkeit
Angst vor Wahrheit
Angst vorzutäuschen
Angst es sei alles unbedeutend
Angst vorm Verlieren
Angst zu übertreiben
Angst vor unbegründeter Angst
Angst vor morgen
Angst vor gestern
Angst vor heute